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Tischrede

Liebes Brautpaar, liebe Gäste!

Mir gingen verschiedene Gedanken durch den Kopf und ich habe versucht, sie zu ordnen:

Da gibt es zum einen, so sagte ich mir, die Junggesellen und die alten Jungfern. Da gibt es die Verwitweten und Verwaisten, die unfreiwillig Einsamen und die, die sich selber genügen. Dann gibt es die, die man einsame Spitze nennt und es gibt die Heimatlosen, die Entwurzelten, die Umherirrenden. Dann gibt es die Einzelgänger, die Eigenbrötler und die Einsiedler, Auch gibt es die lonely hearts, die einsamen Herzen, jedenfalls die, die man neutral die Alleinstehenden nennt

Auf der anderen Seite meines Kopfes türmte ich die Gruppen auf, die Verbände und Vereine, die Versammlungen oder schlicht Ansammlungen von Menschen, die früher zu dem Wort Volksgemeinschaft verbunden wurden, und die heute lapidar als Massengesellschaft bezeichnet werden, weil die Verbundenheit oder Verbindlichkeit brüchig geworden ist.

Zwischen diesen beiden, zwischen dem einzelnen Menschen und der Menschenmenge, dazwischen steht als Bindeglied das Paar und ich habe mir die Frage gestellt, was das eigentlich ist, ein Paar? Worin besteht dieses UND, das sie verbindet. Und wieder habe ich meine wirren Gedanken zu ordnen versucht. Da ich der Sache auf den Grund gehen wollte, stand da als erstes Paar, sozusagen als Prototyp, Adam und Eva. Doch dieses Paar schien mir allzu beladen, schnell gingen meine Gedanken weiter voran, da tauchte Romeo und Julia auf, dieses berühmte Paar. Dicht gedrängt fielen mir nacheinander die tragischen Paare ein, als da sind Orpheus und Eurydike oder aus Tristan und Isolde. Doch meine Gedanken wollten sich nicht allzu sehr verfinstern, leichtfüßig sprangen sie in das Reich unserer lieben Kleinen, denn auch sie kennen ihre Paare. Da ist Hänsel und Gretel, Schneeweißchen und Rosenrot, später dann wurden die Paare lustig, dreist und frech, da gab es Pat und Paterchen, Tom und Jerry, Dick und Doof. Ich hatte den Eindruck, meinen Gedanken war der gebührende Ernst abhanden gekommen und ich legte ihnen wieder die Zügel an. Es entstand ein Gedrängel auf der imaginären Bühne der Paare: Paris und Helena rangen mit Kilius und Bäumler, Marx und Engels stritten mit Horkheimer und Adorno, Hinz und Kunz standen neben Pott und Deckel. Ein entschiedener Strich beendete die Liste.
Um aber der ganzen Reihe einen würdigen Abschluß zu setzen, darf ich Euch bitten aufzustehen, das Glas zu erheben und anzustoßen auf das Paar, das in seiner Art würdig ist, in die lange Geschichte der Paare aufgenommen zu werden.

Stoßen wir an auf Adif und Elfi auf Elfi und Adif.

[zur Goldenen Hochzeit der Eltern]